1 Woche durch die Hohe Tatra

1 Woche durch die Hohe Tatra

von 18.05. – 25.05.2013

18.05. Bereits um halb zehn haben auch die Vergesslichen ihre Pässe von zu Hause geholt. Zwei Gruppen á fünf Kräder überqueren bei Hohenau/March die Grenze.

Es geht Richtung Osten. Über Piestany und Partizanske auf wenig abwechslungsreichen geraden, lediglich durch Fabriksruinen am Straßenrand dekorierten Wegen. Dann endlich Hügel, die ans Leithagebirge erinnern. Und Kurven. Keine gewöhnlichen Kurven. Schlaglöcher sonder Zahl erhöhen zwar nicht Sicherheit und Fahrspaß, aber die Kurvenfrequenz.

Bewölkt, teils sonnig, 15° – 21°C. Wir werden Tage später diese Bedingungen vermissen. Kurz vor dem Ziel Banská Stiavnica schießt Peter W., mit Elfriede im X3 vorgefahren, Fotos aus dem Hinterhalt.

Stadtspaziergang im pittoresken Weltkulturerbe, das als älteste slowakische Silber- und Goldbergwerksstadt seine beste Zeit lange hinter sich hat. Im Restaurácie U Böhma gibt es neben Köstlichkeiten und wohlerzogenen, ruhigen Einheimischen auch 14 aus voller Kehle Lachende und Lärmende. Touristen eben.

19.05. Hundert Taiwanesinnen, die alle mit einem überglücklich strahlenden Ali und auf seiner GS fotografiert werden wollen, verzögern die Abfahrt. Endlich Fahrtwind, ähnliche Bedingungen wie am Vortag. Inkl. Kurven mit Schlaglöchern, garniert mit Sand und Split. Richtung Nordosten, meist auf geraden, kurz vor dem Ziel wieder auf geschlungenen Pfaden, endlich die Hohe Tatra im Blick. Höchster Teil der Karpaten, jenseits der 2.500m. Bei Stary Smokovec beginnt der Naturpark und eine wenig befestigte, 7km lange Straße zum Hotel Sliezsky Dom auf 1.670m. Spitzkehren, Rillen, Löcher, Kies, Schotter, Äste, Nadelzweige, feuchter Sägestaub und Sand sorgen in den nächsten Tagen für tägliche Fahrerlehrgänge. Dafür werden zu unserer Überraschung 11 Euro pro Tag und Fahrzeug verrechnet; anderseits angemessen für den Lerneffekt … Sonne, Aussicht, Freundlichkeit des Personals und die gastronomische Qualität sorgen jedenfalls für gute Laune.

20.05. Kühl am Morgen. Im Uhrzeigersinn um die Hohe Tatra, auf teils attraktiven, kurvigen Straßen, nach Polen. Zakopane, nordische Ski- und Biathlon-Weltmeisterschaftsstadt , geprägt vom sog. Zakopane-Stil, einer Kombination aus Goralen-Holzhaus-Architektur und Jugendstil, scheint vor allem aus billigen Touristenlokalen, Souvenirgeschäften und Käseständen zu bestehen. Das muntere Treiben verlassen wir nach einigen Stunden, um auf kurvigen, kaum löchrigen Straßen zu unserer Trainingsstrecke zum Hotel zu gelangen. Holzfällerarbeiten verzögern die Ankunft um entscheidende zehn Minuten: ein Wolkenbruch findet seine Opfer.

21.05. – 23.05. Morgentemperaturen von 2,5° – 4°C (plus!), Nebel, meist bedeckt, teils Regenschauer, sorgen dafür, dass nicht alle bei den Touren, die durchwegs in den Süden, Richtung Ungarn führen, mitmachen. Stitnik, Weltkulturerbe: die aus dem 13. Jhdt. stammende, später älteste Lutheranische Kirche der Slowakei; bei dem Zustand blutet das Herz. Die schönste Tour, jene am 23., ist die Tour der Extreme: die wenigsten Teilnehmer (drei Fahrzeuge, vier Personen) starten bei nur 2,5°C bei extremem Nebel, fahren die kurvenreichste Strecke mit den meisten, den am dichtesten auftretenden und den tiefsten Schlaglöchern (PKWs fahren im Schritttempo, um Achsbrüche zu vermeiden) durch die ärmsten Ortschaften, die nicht einmal Industriefriedhöfe aufweisen. Die Landschaft, eine Mischung aus attraktiven Gegenden in Oberösterreich und der Steiermark, hügelig, waldig, meist unberührt, ist faszinierend wie die Freundlichkeit der Bewohner, für die Touristen, noch dazu auf Motorrädern, etwas Exotisches darstellen.

24.05. Bei 3°C und dichtem Nebel beginnt der erste Teil der Rückfahrt, der kurz vor dem bereits bekannten Quartier in Banská Stiavnica wieder das bietet, was wir erwarten: Kurvenorgien. Nach eingehenden Rundgängen in der ehemals wohlhabenden, nun verblühten Schönheit füllt abermals unangemessen lautes Lachen aus unseren Kehlen die sonst nur durch Flüstern, dezentes Schmatzen und Schlürfen durchdrungenen Gasträume des Restaurant U Böhma. Reinhold filmt einen Akku leer.

25.05. Keine Taiwan-Fans von Ali verzögern diesmal die Abfahrt. Der attraktivste Teil, kurvig, waldig, hügelig, bleibt im dichten Nebel den neugierigen Blicken verborgen. Die Fahrt geht über die sichtbar wohlhabenderen Städte Levice und Nitra, danach fahren drei die Tour auf Landstraßen zu Ende, alle anderen bevorzugen die Autobahn nach Bratislava, Wien und weiter und kommen wohlbehalten daheim an.

Danke an die Tourenwarte Andy und Ewald für Planung und Organisation und danke an unsere Guides Pauli und Reinhold, die uns auf den geplanten Routen führten. Die Woche wurde von allen genossen, wäre der Straßenzustand akzeptabel gewesen, man könnte schwärmen!

Peter Gusmits