2012 West nach Ost

2012 West nach Ost

10.08.2012: Nach unspektakulärer nächtlicher Fahrt mit den ÖBB geht es von Feldkirch aus gleich zur Sache. Autoreisenachtzugliegewagenfrühstücksbuttermarmeladensemmelgestärkt starten 17 Personen auf 13 Fahrzeugen und Reinhold, der uns filmend erwartet hat, aufs Furkajoch (1761m), erleben einige von Vorarlbergs schönsten Seiten und wärmen uns danach in der Sonne im Garten des bekannten Cafe Natter, in Bezau, bei Kaffee und Kuchen auf. Bregenzer Wald, Riedbergpass, Oberjoch mit nicht enden wollenden Serpentinen nach Füssen. Traumhafte Gegend mit ebensolcher Strecke. Wie das noch steigern?
Schloss Neuschwanstein, Inbegriff aller Kitschpilgerstätten, in Stein verewigter Ausdruck fachmedizinisch bestätigter Verhaltensoriginalität von König Ludwig II., der das innen düster wirkende Machwerk Walt Disney´schen Architekturstils nur 171 Tage bewohnte (nur wenige hätten es länger überlebt), ist die richtige Übersteigerung außergewöhnlich schöner Umgebung. Halb Japan, halb China und einzelne Europäer werden in überfüllten Bussen zur Kultstätte des jegliches Geschichtsbewusstsein ignorierenden Historismus gekarrt, lassen sich auch durch zahllose, überfüllte Pferdewägen nicht von den Straßen vertreiben. Nimmt man die Kutscher, beleibter als die schweren Norikerpferde, als Maßstab, geht das Geschäft nicht sehr gut. Es geht ausgezeichnet.
Die blasenschwache Gruppe ignoriert, da Tankstellentoiletten das Problem gelöst haben, jene die Planseekurvenorgie verarbeitende rastende Gruppe und wird durch spätere Regengüsse bestraft. Garmisch Partenkirchen, Karwendel, Achenpass und Achensee sind weitere Highlights bis zum Quartier im Zillertaler Grillhof in Ried/Zillertal, wo wir von Stefan und Paul erwartet werden.

11.08.2012: Unmittelbar außerhalb von Ried beginnt die Zillertaler Höhenstraße. 48km lang, bis 2020m Höhe, eine der schönsten Alpenstraßen. Leider ist der Ausblick an diesem Tag teils das Fahren in Wolken getrübt. Viele Kurven, enge Straßen, ja, auch Kuhfladen, Splitt und nasse Stellen sind für viele von uns das Salz in der Suppe des Fahrens, einzelne bevorzugen weniger Gewürz.

Nach Hippach: der Gerlospass (1532m). Natürlich die alte Passstraße runter. Wie ein endloser bunter Tatzelwurm holpern wir auf höchst sanierungsbedürftiger, schmaler Fahrbahn, vorbei an mautsparenden NL-Campingfahrzeugen und anderen Hindernissen und werden durch ein herrliches Panorama, die Krimmler Wasserfälle inklusive, zusätzlich belohnt.

Mittersill, Pass Thurn (1273m), Kitzbühl, St. Johann/T., Saalfelden. Ein Kreisverkehr scheint für einen von uns so amüsant, dass er ihn sogar zum Kugeln findet. Für einen anderen war bereits am Vortag eine witzige Gehsteigkanten Grund genug zum Niederlegen.

Karin lässt sich durch die Sitzbankheizung von Ewalds K 1600 GT verführen und fährt ein fahrerisch interessantes Stück des Wegs quasi im Fauteuil mit. Maria Alm, den Hochkönig, Bischofshofen und das letzte kurvige Stück nach St. Martin im Tennengebirge hat sie vermutlich noch nie in derart kurzweiliger Form erlebt. „Heißer Stuhl“ ist durchaus auch im übertragenen Sinn zu verstehen. Angst? „Nein, war noch nie so schnell auf hundert … (fiel aus StVO-rechtlichen Gründen der Zensur zum Opfer)!“

Vom Hotel Alpenhof in St. Martin einige Minuten zu Fuß durch ein Waldstück und man ist beim „Moa Keller“. Ein idealer Motorradtag (15° – 23°C, leicht bewölkt, sonnig) klingt bei gutem Essen und Getränken nach jedem Geschmack bei allseits bester Stimmung aus.

12.08.2012: Traumhafter Morgen, 8°C, wolkenlos. Später wärmer! Drei treten die Fahrt individuell an, die anderen 13 in zwei Gruppen nach Abtenau auf die Postalm (1200m), dann nach St. Wolfgang. Naviverursachtes Umkehren von 13 Fahrzeugen auf steiler, enger Almstraße. Lustig – zumindest für wartende und staunende Autoinsassen. Kaffeewerkstatt in St. Wolfgang: Der Marchfelderhof als Kaffeehausversion: vollgeräumt mit originellen Staubfängern in kaum beleuchteten, urigen Räumen.

Bad Ischl, Gmunden, Kirchdorf a.d. Krems, Oberschlierbach. Rast im wenig bekannten, umso schöneren Steyrtal. Hier gilt noch der Ruf der Köchinnen aus (Nach-)Kriegstagen: „Einbrenn für alle, Einbrenn für alles!“ Die Küche des Gasthof Lattner bei Windhag hält auch deshalb leider mit dem die Seele baumeln lassenden Ausblick nicht im Entferntesten mit.

Richtung Weyer, auf kaum bekannter, landschaftlich und fahrerisch umso tollerer Straße über Laussa nach Waidhofen/Y. nach St. Leonhard im Wald, wo uns die Konditorei Ettel kulinarisch entschädigt. In St. Leonhard am Forst: Verabschiedung nach einigen idealen, langen Motorradtagen durch sieben Bundesländer sowie Bayern bei idealem Wetter in bester Gesellschaft, dann via A1 heimwärts.

Großer Dank an Andy und Ewald, die bei Planung, Umsetzung und situativer Anpassung der Route für einen schon angenehm vertrauten reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Dank aber auch an alle Teilnehmer im Alter von 12 – Mitte 60, aller Größen und Gewichtsklassen, die für beste Stimmung gesorgt haben.

Peter Gusmits