2012 Eine Woche durch die Toskana

2012 Eine Woche durch die Toskana

Autoreisezüge nach Italien fahren nur noch nach Livorno. Und das mit limitierter Kapazität. Ergo:

25.05.: Treffpunkt Bäckerei Schwarz. Acht Einspurige, ein Gespann (ja, der „Doppelboxer“) starten in zwei Gruppen Richtung A2. Bei der Raststation Packsattel sehen wir einen 2,40 m breiten Anhänger. In ihm: zwei Kräder. Vor ihm: Pauli mit Marianne und Gerhard.

Nach Völkermarkt: endlich Berge, Kurven, Landstraßen, in ausnehmend schöner Landschaft durch Slowenien. Bei Udine nach Italien ins Quartier in Palmanova. Eine Gruppe kommt nach etwa 500, eine nach 600 Kilometern an. Navis machen´s möglich. Sabine und Ewald, erst zu Mittag gestartet, via Autobahn, kommen zeitgleich mit uns an. Elisabeth und Martin, die M3-Besatzung, komplettieren, bis auf Reinhold, die Toskana-Fangemeinde. Maskottchen Gino, wesentlicher Teil des Doppelboxers, wird als umgeschulter Hirtenhund eine Woche aufmerksam auf sein Rudel achten. Ideales Reisewetter, 15° – 25°C, leicht bewölkt, soll uns die ganze Woche begleiten.

26.05.: Warten. Nicht auf Godot, von Beckett. Auf Reinhold, von Kärnten. Auf der Autostrada nach Bologna, um Hilfsmannschaften in den Erdbebengebieten um Modena nicht im Weg zu sein, dann endlich auf großteils romantischen, engen, kurvigen Landstraßen nach Montecatini (wörtlich: Bergbecken)Terme. Unser wunderschönes Quartier, Grand Hotel Tettuccio, erreichen wir mit Einverständnis der Carabinieri über eine temporäre Fußgängerzone, auf der ein Volksfest tobt. Nach einem guten Abendessen diskutieren wir die unterschiedlichen Interessen zwischen Tisch- und Einzelrechnungen mit dem Restaurantchef. Wir riskieren seine Freundschaft und zahlen individuell.

27.05.: Gino, 21 Personen mit 13 Einspurigen, einem Gespann, einem M3 in drei Gruppen Richtung Norden auf der Hängebrückentour. Die Ponte sospeso bei Mammiano, eine Stahlbrücke in den Bergen von Pistoia, 220m lang, 35m über dem Flüsschen Lima, errichtet vom schottischen Adeligen Vicenzo Douglas Scotti (der Name ist nicht erfunden!). Selbst fast alle Nicht-Schwindelfreien bezwingen die schwankende Brücke, die schwingt, wie wir während der langen, kurvigen Tour. Wermutstropfen trotz toller Landschaft, Kurven und 1a kulinarischen Mittagessens sind die frost- oder erdbeben- oder sonstwie beschädigten Straßen voller Schlaglöcher, die Stoßdämpfer, Wirbelsäulen und lockere Zahnplomben hart hernehmen.

28.05.: In drei Gruppen Richtung San Gimignano, die Stadt der schönen Türme, das Manhatten des Mittelalters, als man Macht und Ansehen mit Turmhöhen gleichsetzte. Mittelalterliches Flair, ein uns seit Tagen begleitender betörender Duft von Jasmin, Akazien, Linden und anderem Blütenzauber, ein Verdis Opernarien wiedergebender Selbstdarsteller, der Paulis Gruppe in den Garten lotst, Souvenirramsch und, und, und verzaubern. Und Taschen. Auch Herrentaschen, wie unser Obmann erleichtert feststellt. Über Volterra in wie für Motorräder geschaffener Landschaft zum Quartier. Schon lange keine neue Gelateria getestet.

29.05.: In den bewährten Gruppen über Seravezza bis Carrara: gebirgig, kurvig, anspruchsvoll, wunderschön. Ausblicke auf den Steinbruch. Unbeleuchtete, in Marmor gehauene Tunnel, reichlich mit Schlaglöchern versehen. Elisabeth denkt nur an sich und ihre Schürzen, nicht aber an eine Ersatzschürze für Martins M3. Ein BMW-Fax als Antwort auf Martins Anfrage, ob der M3 passend für diese Tour sei: „ Weshalb fahren Sie keinen X3?“ Mittagspause, hausgemachte Pasta. Alles eitel Wonne? Ein Teilnehmer missversteht offenbar einige mit ernster Miene gesprochenen Scherze und Neckereien. Fährt wortlos ab. Heim nach Österreich. Lässt alle fassungslos zurück. Wird zum Ursprung des ab diesem Zeitpunkt geflügelten Wortes: „Schau net so, sonst fahr´ ich heim!“ Alle werden hoffentlich – mit zeitlichem und räumlichem Abstand – mittlerweile darüber schmunzeln können.
Auf anhaltend traumhafter Strecke zurück, nicht ohne die Ponte della Maddalena, auch Ponte del Diavolo (Teufel, wieder so ein Missverständnis …), fast 850 Jahre alt, besucht und den Rekordpreis für Benzin (€ 1,992) bezahlt zu haben.

30.05.: Pisa. Die Strecke von und nach P. stiehlt dem Dom, dem Baptisterium und natürlich dem schiefsten aller Türme sicher nicht die Show. Aber die drei sind faszinierend genug. Abends mit der Schmalspurbahn , Steigung bis 38,5%, nach Montecatini alto. Auf der Terrasse eines Restaurants genießen wir den atemberaubenden Ausblick und das Essen.

31.05.: Vernunft schlägt Fahrlust. Wir fahren mit der Eisenbahn nach Florenz. Dom, Kuppel (auch Günter erklimmt die 463 Stufen), Palazzo di Medici (im Hof: etliche Bilder mit österreichischen Motiven), Ponte Vecchio u.v.a. in ziviler Kleidung zu genießen hat doch Vorteile. Ist Martin wirklich sauer auf die Tourenwarte? „Die Einkäufe für meine Frau waren teurer als Benzingeld, Autobahn- und Parkgebühr gewesen wären.“ Abends wird bei der Pizza gespart.

01.05.: Die drei Gruppen genießen die Gegend des Chianti, sehen die Ortschaft Vinci (ohne Leonardo, der hat an dem Tag frei) fragen nach seinem Geburtshaus. Ein Einheimischer schelmisch: „Kaufen Sie eine Ansichtskarte!“ Wir genießen die Schönheit der Gegend um Radda und erahnen die Köstlichkeit der Weine.
Die Kellner unseres Hotels helfen zu sparen, nie sind sie zu finden. Um nicht zu darben und die gelungene Woche würdig abzuschließen geht es wieder mit der kleinen Bahn nach Montecatini alto. Speis, Trank, Ausblick, Wetter und Stimmung passen ideal zum vorgezogenen Ausklang.

02.06.: Paul, mit Anhänger, Peter und Reinhold per Motorrad starten nach Hause. Wir anderen fahren gemütlich in zwei Gruppen auf hügeligen Umwegen Richtung Livorno. Günters Motorrad mimt auf elektrisch scheintot – Abschleppen zum Verladebahnhof, wo alle zusammentreffen. Ein nicht ernst zu nehmendes Formular sorgt für Verzögerungen und ermöglicht das filmische Festhalten kurioser Szenen beim Verladen.

03.05.: Um 08:55 erreichen wir Wien Matzleinsdorfer Platz. Abschied von einer harmonischen, fröhlichen Gruppe nach einer wunderschönen, unfallfreien Reise. Abwechslungsreich, bestens geplant, organisiert und umgesetzt.

Grazie mille a Andi e Ewald!